Die relative Einsekundenkapazität (FEV1/FVC) ist ein wichtiger Messwert in der Lungenfunktionsdiagnostik, der das Verhältnis zwischen der forcierten Einsekundenkapazität und der forcierten Vitalkapazität beschreibt. Dieser Wert gibt Aufschluss über die Effizienz unserer Atemwege und kann helfen, verschiedene Atemwegserkrankungen zu erkennen.
Was ist die relative Einsekundenkapazität?
Die relative Einsekundenkapazität wird als Quotient aus FEV1 (Forcierte Einsekundenkapazität) und FVC (Forcierte Vitalkapazität) berechnet und als Prozentsatz angegeben. FEV1 beschreibt das maximale Luftvolumen, das nach tiefster Einatmung in der ersten Sekunde ausgeatmet werden kann. FVC hingegen ist die gesamte Luftmenge, die nach maximaler Einatmung forciert ausgeatmet werden kann.
Dieser Quotient zeigt uns, wie effizient die Atemwege arbeiten und ob Verengungen oder Obstruktionen vorliegen. Bei gesunden Erwachsenen liegt der FEV1/FVC-Wert normalerweise zwischen 70-80% oder höher. Ein niedrigerer Wert kann auf eine obstruktive Atemwegserkrankung hindeuten, bei der die Atemwege verengt sind und die Luft nicht frei fließen kann.
Die Messung erfolgt mittels Spirometrie, einem standardisierten Lungenfunktionstest. Dabei atmet der Patient durch ein Mundstück in ein spezielles Gerät, während die Nase verschlossen ist. Diese objektive Messmethode ermöglicht es, die Atemfunktion präzise zu bewerten und Veränderungen über die Zeit zu verfolgen.
FEV1/FVC-Werte richtig interpretieren
Normale Werte liegen bei gesunden Erwachsenen typischerweise über 70%, wobei jüngere Menschen oft Werte von 80-85% erreichen. Mit zunehmendem Alter kann dieser Wert physiologisch leicht abnehmen. Wichtig ist dabei, dass die Interpretation immer im Kontext von Alter, Geschlecht, Größe und ethnischer Zugehörigkeit erfolgen sollte.
Reduzierte FEV1/FVC-Werte unter 70% deuten auf eine obstruktive Ventilationsstörung hin. Dies kann bei Erkrankungen wie Asthma, COPD oder anderen Atemwegsverengungen auftreten. Je niedriger der Wert, desto ausgeprägter ist in der Regel die Obstruktion. Bei Asthma können sich diese Werte nach Bronchodilatator-Gabe oft deutlich verbessern, was für die Diagnosestellung wichtig ist.
Normale oder erhöhte FEV1/FVC-Werte bei gleichzeitig reduzierter FVC können auf eine restriktive Ventilationsstörung hinweisen. Hier ist nicht die Atemwegsweite das Problem, sondern die Lungenentfaltung ist eingeschränkt. Dies kann bei Lungenfibrose, Muskelschwäche oder Brustwanddeformitäten auftreten und erfordert weitere diagnostische Abklärung.
Atemfunktion durch Breathwork verbessern
Bewusstes Atemtraining kann die Lungenfunktion und damit auch die FEV1/FVC-Werte positiv beeinflussen. Durch gezielte Atemübungen werden die Atemmuskulatur gestärkt und die Atemtechnik optimiert. Besonders effektiv sind Übungen, die sowohl die Einatmung als auch die Ausatmung trainieren, wie die Lippenbremse oder das Zwerchfellatmen.
Regelmäßige Breathwork-Praxis kann helfen, die Atemwege zu entspannen und Verkrampfungen zu lösen. Techniken wie die 4-7-8-Atmung oder kohärentes Atmen fördern nicht nur die Entspannung, sondern können auch die Atemwegsweite positiv beeinflussen. Studien zeigen, dass Menschen mit Asthma oder COPD von strukturiertem Atemtraining profitieren können.
Ganzheitliche Ansätze kombinieren Breathwork mit Bewegung, Stressmanagement und Achtsamkeit. Yoga-Atemtechniken (Pranayama), Tai Chi oder Qigong integrieren Atmung und Bewegung auf harmonische Weise. Diese Praktiken können nicht nur die messbaren Lungenfunktionswerte verbessern, sondern auch das subjektive Wohlbefinden und die Lebensqualität steigern.
Die relative Einsekundenkapazität ist ein wertvoller Indikator für die Gesundheit unserer Atemwege. Während die Spirometrie objektive Messwerte liefert, bietet funktionelles Atmen und Breathwork praktische Werkzeuge zur Verbesserung der Atemfunktion. Die Kombination aus medizinischer Diagnostik und ganzheitlichen Atemtechniken ermöglicht es, die Lungengesundheit optimal zu fördern und das volle Potenzial unserer Atmung zu entfalten.




